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Fassade des LVR-LandesMuseums Bonn. Foto: Jürgen Vogel, LVR-LandesMuseum Bonn.

Geschichte des Museumsgebäudes

Der Charakter des LVR-LandesMuseum ist eng mit dem Museumsgebäude verbunden. Wir verstehen unser Museum als ein Haus, das als Schatztruhe der Geschichte für möglichst viele Menschen ein interessanter, kurzweiliger und den Horizont erweiternder Ort sein soll.

 

DIE NOTWENDIGKEIT EINES GEBÄUDES

Ein Großteil der Sammlung des „Antiquitätenkabinetts“ (der Vorläuferinstitution des LVR-LandesMuseums) war in Räumlichkeiten des Schlosses der Universität Bonn untergebracht, wo er – mit kurzen Zwischenstationen einige Exponate beispielsweise im Kapitelsaal des Bonner Münsters – die meiste Zeit auch verblieb.

Mit der Gründung des Provinzialmuseums 1874 wurde das Vorhaben, ein eigenes Museumsgebäude zu erhalten, forciert. Hermann Schaaffhausen sprach sich für das Grundstück des Königlichen Gymnasiums an der heutigen Adenauerallee (damals Koblenzer Straße) aus, da er die Nähe zur Universität bevorzugte. Er konnte sich mit diesem Vorhabe jedoch nicht durchsetzen und es wurde beschlossen, das Grundstück Urban Colmants an der heutigen Colmantstraße anzukaufen. Der Neubau des Museums nach Plänen von Clemens Guinbert wurde am 8. April 1890 begonnen und dauerte bis 1893. In diesem neuen Museum konnten die Sammlung nun zusammenhängend und nutzungsorientiert präsentiert werden – die Zielgruppen waren allerdings hauptsächlich Gelehrte und Studenten der Archäologie. Von einem „Museum für alle“ war man damals noch weit entfernt.

Das ursprüngliche Museumsgebäude wurde bereits nach wenigen Jahren durch einen Anbau erweitert. Dieser Anbau, der im Jahr 1909 eröffnet wurde, war deshalb notwendig, weil die Gemälde der Wesendonck-Sammlung, die als Leihgabe ins Provinzialmuseum gekommen waren, sonst keinen adäquaten Platz gehabt hätten. Durch das stetige Wachsen der Sammlung war ohnehin bereits ein gewisser Platzmangel deutlich geworden.

Der Neubau wurde als zweigeschossiger Flügelbau in Richtung Bachstraße ausgeführt, der die auch heute noch prominente Oberlichthalle umfasste.

 

KRIEGSBESCHÄDIGUNGEN

In den 1930er Jahren fanden abermals bauliche Maßnahmen statt. Sie standen unter der Prämisse, das Gebäude und die Architektur der Ausstellungsräume den Anforderungen der Nationalsozialisten an das neue Museum als „volksnahe Bildungsstätte“ anzupassen.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Museums geschlossen und die meisten Exponate ausgelagert. Sehr große Steinobjekte waren jedoch für den Transport zu schwer und wurden daher im Museum durch Sandsäcke, Holzplatten oder provisorische Backsteinwände geschützt. Außerdem blieben auch kleinere archäologische Funde in den Magazinschränken im Keller.

Am 28. Dezember 1944 wurde das Haus von drei Bomben getroffen und zu großen Teilen zerstört. Im vorderen Bereich des Gebäudes wurde die Eingangstreppe und die Fassade beschädigt, wodurch sich der Giebel des Dachs verschob und die Statik dieses Teils des Hauses beeinträchtigt wurde. Der gesamte hintere Teil des Altbaus wurde zerstört, wobei auch der vordere Teil des Anbaus beschädigt wurde. Durch die einstürzenden Wände und Decken des Museums wurde die Kellerdecke durchschlagen und die unterirdischen Magazinräume zerstört. Die dort gelagerten Objekte gingen dabei leider verloren. Weitere Schäden am Gebäude entstanden in den letzten Wochen des Kriegs: Durch die Sprengung der Rheinbrücke im Frühjahr 1945 stürzten instabil gewordene Teile der Fassade des Altbaus ein.

 

AUS NEUBAU WIRD ALTBAU

1953 wurde entschieden, den beschädigten Altbau abzureißen. Somit blieb nur noch der hintere Teil des Museumsbaus erhalten, der nach dem Krieg renoviert wurde und in dem das Museum seit 1950 wieder einen Teil seiner Sammlung präsentierte. An die Stelle des abgerissenen Altbaus sollte ein Neubau treten und mit dem bestehenden Gebäude – das seitdem als „Altbau“ bezeichnet wird – verbunden werden. Nach den Plänen des Wiesbadener Architekten Rainer Schell wurde zwischen 1963 und 1967 ein zur damaligen Zeit wegweisender Bau errichtet. Die Verwendung von Beton und Glas in einer sehr klaren Formsprache machten den neuen Museumsbau zu einem typischen Gebäude der Moderne. Das Gebäude erhielt, dem Namen des Architekten entsprechend, die umgangssprachliche Bezeichnung „Schellbau“.

Um die Ausstellung unseren Ansprüchen anzupassen, wurden sich bei der Einrichtung des Schellbaus und der Präsentation der Objekte an den aktuellen Standards von Ausstellungswesen und museumspädagogischen Wissen orientiert. Die Vitrinen werden nicht mit Objekten vollgestopft, sondern jedes Exponat sollte die Chance haben, auf den Besucher zu wirken. Das bedeutet allerdings, dass es viel mehr Objekte gibt, die es wert sind gezeigt zu werden, als es letztlich in die Ausstellung schaffen. Tatsächlich wird nur ein ganz kleiner Bruchteil unserer Exponate im Museum gezeigt. Der überwältigende Großteil des Bestands wird in Depots gelagert. Diese befinden sich sowohl in Bonn wie auch in Meckenheim, wo ein eigenes Depotgebäude errichtet wurde

 

NEUES AB DER JAHRTAUSENDWENDE

In den 1990er Jahren wurden Pläne für einen abermaligen Umbau des Museums beschlossen. Der Schellbau sollte an modernen Standards der musealen Präsentation, Ökologie und Technik angepasst werden. Für dieses Vorhaben wurde die Architektengruppe Stuttgart in Zusammenarbeit mit Knut Lohrer und Dieter K. Keck beauftragt. Die umfassende bauliche Neugestaltung begann 1998 und war leider nicht im laufenden Betrieb zu realisieren, weswegen das Museum für das Publikum schließen musste. Die zunächst auf drei Jahre angelegte Schließungs- und Umbauzeit verlängerte sich, wodurch das Museum erst im November 2003 wiedereröffnete.

Die Fassade des Neubaus wird seit dem Umbau durch eine Holzverkleidung geprägt, der eine gläserne Hülle vorgesetzt ist. Dadurch entstand zwischen der Holzfassade und der Glaswand eine Fläche, die als erster Ausstellungsraum architektonische Exponate enthält. Mit den Holzbalken, die waagerecht und schräg zur Fassade verlaufen, soll der Eindruck von alten Grabungskisten erweckt werden. Grabungskisten sind die Kästen – früher aus Holz, heute aus Plastik – in denen die Funde bei Grabungen gelagert und transportiert werden. (Unser Museum ist letztlich genau so eine Kiste: Voller spannender Funde und Objekte.) Die Glashülle, die unser Haus umgibt, spielt ebenfalls mit musealen Ausstattungsgegenständen: Wie eine Vitrine schützt das Glas unser Haus und lässt dennoch den Blick ins Innere zu. Im Gebäude selbst werden die verwendeten Materialien Holz, Glas und Beton aufgegriffen und eine helle, offene Gestaltung erreicht.

Die 1998-2003 ausgeführten Erneuerungen wurden 2019/2020 durch Arbeiten im Erd- und Untergeschoss ergänzt. Dafür wurden Herrmann & Bosch engagiert, die bereits bei dem Umbau zur Jahrtausendwende involviert waren. Während des laufenden Betriebs wurde eine neue Gestaltung des Foyers und der Einbau eines zentralen, gläsernen Aufzugschachts durchgeführt. Zudem wurde im Bereich des Neandertalers die neuen Gestaltungselemente unserer Dauerausstellung umgesetzt. Mithilfe von klaren Linien, einem deutlichen Leitsystem, Licht und partizipativen Angeboten wird ein ganz neues, inklusives und interaktives Museumserlebnis geschaffen.


Kontakt

LVR-LandesMuseum Bonn, Colmantstr. 14-16, 53115 Bonn

Tel. +49 (0) 228 / 2070 - 0, Fax +49 (0) 228 / 2070 - 299

Öffnungszeiten Museum

DI bis SO und Feiertag 11 - 18 Uhr

MO geschlossen

Gruppenführungen für Schulklassen ab 10 Uhr möglich

Öffnungszeiten Bibliothek

MO bis FR 8 - 16 Uhr