Angela Neuke
Die Wirklichkeit ist subjektiv
Ab 12. Mai 2027
Angela Neuke gehörte zu den bedeutendsten Bildjournalistinnen der Bundesrepublik. Dreißig Jahre nach ihrem frühen Tod zeigt das Landesmuseum die erste große Retrospektive dieser außergewöhnlichen Fotografin. Ihr umfangreicher Nachlass, der 2021 für die Sammlung des Landesmuseums erworben werden konnte, bildet das Fundament der Ausstellung.
Neuke dokumentierte die gesellschaftlichen Umbrüche ab Mitte der 1960er-Jahre. Besonders eindringlich widmete sie sich den großen politischen Ereignissen, deren mediale Inszenierung sie zugleich kritisch hinterfragte. Für ihre Reportagen entwickelte Neuke eine Bildsprache, deren ästhetische Kompromisslosigkeit von ungebrochener Aktualität ist.
Bekannt wurde Neuke mit Serien zur Studentenrevolte in der Bundesrepublik und zur Niederschlagung des „Prager Frühling“ im Sommer 1968. Auf internationale Resonanz stieß ihr Projekt „Staatstheater – Mediencircus“, in dessen Rahmen sie unter anderem 1985 den Staatsbesuch des US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn begleitete. Neuke blickte vornehmlich auf das Geschehen hinter den Politbühnen und zeigte damit, wie Fotos inszeniert, manipuliert und instrumentalisiert werden.
Angela Neuke war eine unerschrockene und provozierende Fotografin. Ihre feministischen Reportagen für auflagenstarke Magazine wie Stern, Quick, Emma oder Brigitte entfalteten eine breite Wirkung. Als Hochschullehrerin an der Universität-Gesamthochschule Essen prägte Neuke ab 1980 eine neue Generation junger Fotografinnen und Fotografen, die ihre bildjournalistische Arbeitsweise seither weiterentwickelt und bis in die Gegenwart fortgeschrieben haben.